Optris Top-Down GIS 640 R Glasinspektionssystem

  • Eignung: Prozesskontrolle in Glasvorspannanlagen
  • Messprinzip: Top-Down-Thermografie + Referenzmessung von unten
  • Auflösung: 640 × 480 px · Linescan 640 × 120 px
  • Bildrate: 32 Hz Vollbild · Linescan bis 125 Hz
  • Glasarten: Standardglas und Low-E-Glas
  • Systemintegration: GigE/PoE · Industrial PIF · PIX Connect

Das Optris Top-Down GIS 640 R ist eine vorkonfigurierte Infrarot-Systemlösung zur Temperatur- und Qualitätsüberwachung in Glasvorspannanlagen. Die Temperaturverteilung der Glasscheiben wird von oben thermografisch erfasst und durch eine Referenzmessung von unten ergänzt. Damit kann das System Emissionsgradunterschiede bei Standard- und Low-E-Glas automatisch berücksichtigen und thermische Inhomogenitäten direkt nach dem Ofen sichtbar machen.

Für die kontinuierliche Prozessüberwachung nutzt das System die Linescan-Funktion von PIX Connect. Ein digital gesteuertes Linsenschutzsystem (DCLP) schützt die Messoptik während des Betriebs. Optris liefert das GIS als vormontiertes Systempaket mit Messsystem, Referenzpyrometer, Shuttertechnik, Prozessschnittstelle, Schaltschrank, Verkabelung und Software. Der Schwerpunkt liegt damit nicht auf einer einzelnen Wärmebildkamera, sondern auf einer abgestimmten Mess- und Integrationslösung für die Glasveredelung.

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Warum braucht Low-E-Glas eine Referenzmessung?

Beschichtetes Low-E-Glas besitzt einen sehr niedrigen Emissionsgrad. Eine reine Infrarotmessung von oben kann dadurch stärker von Reflexionen und von der konkreten Beschichtungsseite beeinflusst werden. Beim Top-Down GIS wird die thermografische Messung deshalb mit einem Referenzpyrometer unterhalb der Scheibe kombiniert. Aus beiden Messinformationen kann das System die Emissionsgradkorrektur für Standard- und Low-E-Gläser automatisch unterstützen.

Für die Prozessbewertung ist damit nicht nur ein einzelner Temperaturwert verfügbar. Die Temperaturverteilung über die Glasscheibe wird als thermisches Profil sichtbar. Ungleichmäßige Erwärmung, kalte Bereiche oder andere thermische Abweichungen können so unmittelbar nach dem Heizprozess erkannt und der Ofen- beziehungsweise Kühlprozess gezielter beurteilt werden.

Wie arbeitet das GIS 640 R im laufenden Prozess?

Das System kann über ein Signal der Vorspannanlage getriggert werden. Zu Beginn der Messung öffnen die Shutter, PIX Connect startet den Linescan und baut aus den erfassten Linien ein vollständiges Temperaturbild der durchlaufenden Glasscheibe auf. Die Temperaturdaten jedes Pixels bleiben für die spätere Analyse verfügbar; zusätzlich lassen sich Temperaturprofile und Abweichungen innerhalb der Fläche auswerten.

Die automatische Scanlinienanpassung ist darauf ausgelegt, gegenüber geometrischen Verzerrungen robust zu arbeiten. Die Glasflächenberechnung und die kontinuierliche thermische Darstellung unterstützen eine reproduzierbare Qualitätsüberwachung, ohne dass jede Scheibe manuell thermografisch geprüft werden muss.

Welche Rolle spielen Optik und Einbausituation?

Die Auslegung beginnt mit Glasbreite, Arbeitsabstand, verfügbarem Einbauraum und der kleinsten thermischen Struktur, die noch erkannt werden soll. Für das aktuelle System nennt Optris Sichtfelder von 33° × 25°, 60° × 45° und 90° × 64°. Je breiter das Sichtfeld, desto größer kann die abgedeckte Fläche bei gleichem Abstand werden; gleichzeitig verändert sich die räumliche Auflösung am Objekt.

Bei Low-E-Glas ist zusätzlich der Messwinkel relevant. Optris weist darauf hin, dass die Winkelabhängigkeit der Oberfläche berücksichtigt werden muss und empfiehlt für bestimmte beschichtete Anwendungen die 60°-Optik. Optik, Montageposition und Referenzmessung sollten deshalb als gemeinsames Messsystem ausgelegt werden.

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